Krankenversicherung: Das wird teuer!

27 Krankenkassen haben ihren Zusatzbeitrag zum Jahresbeginn angehoben. Und das, obwohl Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) keine steigenden Zusatzbeiträge für das Wahljahr 2017 versprochen hat. Allerdings können sich viele Krankenkassen nicht daran halten. Dafür gibt es einige Gründe: Behandlungsmethoden werden immer besser, aber auch teurer. Und die niedrigen Zinsen setzen sowohl die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) als auch die privaten Krankenversicherer (PKV) unter Druck.

Zur Erinnerung:

Der Zusatzbeitrag der GKV ist nur ein Teil des Gesamtbeitrags. Zurzeit schwankt dieser zwischen 0,3 und 1,8 Prozent des Bruttoeinkommens. Hinzu kommen 14,6 Prozent des Bruttolohns als Grundbeitrag, welchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte zahlen. „Im Laufe des Jahres 2017 wird es weitere Beitragssteigerungen geben“, befürchtet Thomas Adolpf vom Online-Portal gesetzlichekrankenkassen.de.

Für privat Krankenversicherte gab der Gesundheitsminister kein Versprechen ab. Grund dafür liegt auch darin, dass jeder Privatversicherte einen individuellen Beitrag mit seinem Anbieter festgelegt hat und keiner diese Verträge ohne weiteres abändern kann.

Je weniger die privaten Verträge von politischen Entscheidungen abhängig sind, desto mehr wirken sich die Niedrigzinsen auf Privatversicherte aus. Altersrückstellungen werden für jeden Versicherten angesammelt und sollen dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter nicht deutlich ansteigen – schließlich fallen die höchsten Behandlungskosten im letzten Lebensdrittel an. Bei hohen Zinsen kann die Versicherung viel Geld für Ihre Kunden ansparen – und umgekehrt. Folge: Die Beiträge steigen. In welchem Maße dies passiert können Außenstehende nicht vorhersehen, denn die Beiträge werden je nach Tarif individuell angepasst.

Diese Altersrückstellungen gibt es nicht bei gesetzlichen Krankenversicherungen. Dennoch muss der Gesundheitsfonds – so der Name der Sammelstelle, in die sämtliche Beiträge fließen, bevor sie an die einzelnen Kassen verteilt werden – Geld anlegen. Da der Gesundheitsfonds als institutioneller Anleger fungiert, muss dieser bereits heute Strafzinsen zahlen. Noch wirken sich die Strafzinsen nicht auf die Beiträge aus. Allerdings könnte sich das auch bald ändern.

Auswege für gesetzlich Krankenversicherte

Erhöhen die Krankenkassen die Beiträge, so haben gesetzlich Versicherte ein Sonderkündigungsrecht, welches die übliche 18-monatige Bindungsfrist außer Kraft setzt. Spätestens einen Monat, bevor der Zusatzbeitrag angehoben wird, muss die Versicherung ihre Mitglieder über das Sonderkündigungsrecht in Kenntnis setzen. Zudem muss auf eine Übersicht des GKV-Spitzenverbandes hingewiesen werden (www.gkv-zusatzbeitraege.de). Überschreitet der jeweilige Zusatzbeitrag der Kasse den durchschnittlichen Beitrag von 1,1 Prozent, muss sie auf die Möglichkeit eines Wechsels zu einer günstigeren Kasse hinweisen. Die Kündigung wird dann am Ende des übernächsten Monats wirksam. GKV-Mitglieder können auch ohne Beitragserhöhung nach 18 Monaten Mitgliedschaft, mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten, ohne Probleme wechseln. Es bestehen keine Gesundheitsprüfungen wie bei der Privaten.

Auswege für privat Krankenversicherte

Privat Versicherte, denen die Beiträge zu hoch sind, sollten versuchen, innerhalb ihrer Versicherung in einen Tarif zu wechseln, der weniger Leistungen bietet. Dabei unterstützen Sie Versicherungsberater, die gegen Honorar auch Alttarife, die eigentlich geschlossen sind, ausfindig zu machen und beim Wechseln helfen. In den wenigsten Fällen lohnt sich der Versicherungswechsel, denn dann gehen nicht nur sämtliche Altersrückstellungen verloren, sondern der neue Versicherer verlangt auch eine neue Gesundheitsprüfung, die im fortgeschrittenen Alter meist schlechter als in jungen Jahren ausfällt und dadurch für einen hohen Beitrag sorgt.

Was könnte bald kommen?

Sollte im September eine SPD-geführte Regierung gewählt werden, droht allen Versicherten erneute Einbuße. Die Obergrenze für den Kassenbeitrag soll von aktuell 4.350 Euro auf die Beitragsbemessungsgrenze für die Rente (im Westen 6.350 Euro) erhöht werden. Dadurch würde etwa ein gesetzlich versicherter Angestellter mit 6.000 Euro Monatsbrutto nicht mehr rund 365 Euro, sondern fast 430 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen. Die privaten Versicherungen sollen laut SPD sukzessive ganz abgeschafft werden. Somit wären alle in einer Bürgerversicherung versichert und würden die Beiträge der GKV zahlen.

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